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Eine leere Volière

Ich habe diesen Vogel gefunden.

Am Weges­rand, klein und zerschunden.

Zuerst hatte ich Angst, ihn zu zer­brechen, ihn zu fest anzu­packen, sein kaputtes Gemüt vol­lends zu ruinieren. Ich wollte ihn liegen lassen, der Welt nicht ins Handw­erk fassen.

Aber irgen­det­was an diesem Vogel hatte mich fest­ge­hal­ten und nach eini­gen Schrit­ten kam ich zurück, set­zte mich neben ihn und betra­chtete ihn genauer.

Brauchst du einen Fre­und? Jeman­den, der dir die Welt erk­lärt und auf dich schaut? Ich brauche so jeman­den, vielle­icht kann ich so ein Fre­und für dich sein.”

Ich hob ihn also auf, er wehrte sich nicht. Es würde Zeit brauchen, wir wür­den uns daran gewöh­nen müssen, uns zu haben, er würde sich daran gewöh­nen müssen, zu leben, aber vielle­icht waren wir gut für einan­der. Fre­unde findet man nicht jeden Tag und sie waren zu sel­ten, um eine Chance im Wald liegen zu lassen.

Mit der Zeit wuch­sen wir zusam­men, der Vogel und ich. Sein Gefieder erstrahlte wieder in leuch­t­en­dem Rot, mir kam dann und wann ein Lächeln über die Lip­pen. Der Vogel und ich, wir hat­ten das gute Leben ent­deckt und mit ihm die Far­ben, denn wir lebten es in tiefen Atemzü­gen, ohne Rück­sicht auf die Welt, aber stets mit offe­nen Augen, offe­nen Toren. Wir haben den Beobachter gegeben und gin­gen darin auf. Wir waren das per­fekte System.

Bis das Sys­tem zusam­men­brach. Die Tore waren wohl zu weit offen gewe­sen. Zu ein­ladend die Weiten der Welt. Der Drang, etwas Besseres zu finden.

Ich hatte diesen Vogel gefunden.

Eine leere Voliere. Ein leeres Stück Leben.

Auf­bruch. Abbruch.

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