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Ist ja nur Sprache. archiv// drucken

Anfang Jän­ner fand ich mich am Fuß einer Skip­iste wieder, beim falschen Lift und ohne Tele­fon, um meine Snow­board­par­tie zu erre­ichen. Eine ziem­lich uner­freuliche Sit­u­a­tion. Schlim­mer war jedoch die Umge­bung, in der ich knapp zwei Stun­den warten musste. Denn wie das so üblich ist, war die Tal­sta­tion des Lifts, bei welchem ich stand, neben einer Apres Ski-Hütte situ­iert. Und diese Apres Ski-Hütten haben eine ver­störende Eigen­schaft gemein­sam: Apres Ski-Musik.

Wir sprechen viel von Tol­er­anz. Aber augen­schein­lich ist diese Tol­er­anz in unser Sprache noch nicht angekom­men. Dies zeigt sich beispiel­sweise mit der Annäherung an beschriebene Ski­hütte, wo einem immer lauter Vok­ab­u­lar aus dem Umfeld der Jagd, ange­wandt auf das abendliche Erobern von weib­lichen Per­so­nen, ent­ge­gen­klin­gen. Ähn­liches fand ich vor, als ich in eben diesem Etabisse­ment auf­grund meiner betra­chtlichen Wartezeit die Toi­lette auf­suchte. Von allen Seiten leuchteten mir Sticker mit Sprüchen wie “Wien braucht keine vio­let­ten Homos.” entgegen.

Wieso akzep­tieren wir solche Dinge in unserem Sprachall­tag, wenn sie nur der Fußbal­lkul­tur zuge­hörig oder dem Win­ter­sportexzess zurechen­bar sind? Solange sie sich ihre Wort­mel­dun­gen im passenden Diskurs bewe­gen, erhal­ten Sprecher und Sprecherin­nen einen Freib­rief, diverse Mon­strösitäten zu ver­bre­iten. “Ist ja nur ein Sticker.”, “Das ist halt Apres Ski, das gehört dazu.”

Natür­lich ist Sprache nur die halbe Tat, aber Sprache ist eben schon die halbe Tat. Durch unser Sprechen organ­isieren wir unsere Welt, es ord­net und stellt fest. Fol­glich ist, was in der Sprache akzept­abel ist, auch in Tat schwer zu ver­bi­eten. Soll­ten wir nicht die Sprache endlich als das sehen, was sie uns ist? Der Asphalt, aus dem unsere Straßen gegossen, die Ziegel, aus denen unsere Häuser gebaut sind?

Gesproch­enes wird so oft als harm­los abge­tan, doch es ist die Basis für alles Weit­ere. Deswe­gen braucht es mehr Auf­begehren gegen Sprache, wo sie uns im Vorankom­men hin­dert. Wir müssen unsere Gesellschaft selbst mod­el­lieren, und Sprache ist vielle­icht nicht der Ton, aber auf jeden Fall das Töpferstudio.

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Ganz richtig! Worte sind Taten.

Ich bin sprachlos.