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Simon Scharinger: Federleicht archiv// drucken

Was Glück meint, ist schwer zu sagen, weil es kaum Gewicht trägt. Denn das Glück ist fed­er­le­icht. Nicht im Sinne von Schwa­nen­fed­ern, grob, krächzend, far­b­los und majestätisch, son­dern weit mehr an Spatzen erin­nernd, sin­gend, leicht, bunt und aufgescheucht. Deshalb fliegt es auch so oft hastig und rasch auf und davon, deshalb ist der Men­sch ger­ade dann glück­lich, wenn er wenig an seinem Leben hängt. Denn am Leben hän­gen heißt an der Angst hän­gen. Und wer an der Angst hängt, hat so seine Schwierigkeiten mit dem Glücklich-Sein. Es ver­langt keinen Mut: Mut ist ein Wort für dumme Men­schen. Mut braucht es genau so wenig wie die Angst. Das Streben darf man ganz ein­fach nicht aus den Augen ver­lieren, das Streben nach dem einen Moment, in dem man als alter Men­sch in seinem Schaukel­stuhl schaukeln und nichts als lächeln wird, weil es dann nichts außer Lächeln mehr gibt. Ein Lächeln über und ein Lächeln von.

Glück ist unüber­legtes Streben, oder besser noch: Unüber­legtes. Geschehen­des. Denn Unüber­legtes und Geschehen­des über­rascht. Wie der Spatz, der auf­scheucht, weil er von einem plöt­zlichen Brotkru­men getrof­fen wird. Wie der Blick, der ver­stohlen wan­dert, wenn sich zwei einan­der Fremde in der Straßen­bahn nach Küssen und Nack­theit des Gegenübers sehnen. Unüber­legtes erfreut, weil es ein­fach geschieht. Wie die Fliege, die einem uner­wartet über die Ellen­beuge krabbelt und deren haarige Beinchen an der Haut kitzeln. Wenn einem das Freude macht, ist das Glück. Wenn es einen glück­lich macht, macht es einen deut­lich und endgültig. Das ist Glück­seligkeit. Müde wer­den nach einem lan­gen Tag. Müde von den vie­len Hochflü­gen, die man immer wieder durch­lei­den muss. Nicht dem Aufruhr ver­fallen. Fed­er­le­ichtsin­nig sein. Und um abschließend bei Vögeln zu bleiben:

die glück­lich­ste glucke

hat kein glück

wenn man ihr das ei stiehlt

und zer­drückt

 

Dies ist ein Beitrag zur ency­clo­pe­dia feli­cis, einer Blogserie, in der Autoren ein­ge­laden wer­den, Gedanken über das Glück in Form zu bringen.

Simon Scharinger, geboren 1991 in Schärd­ing, studiert in Wien, schreibt und singt nicht nur dort.

(c) Matthias Kreitner// RSS//
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