In kleinen Zim­mern sitzen und Glühkäfern nach­ja­gen, von denen ich nicht weiß, ob sie der Herb­st­nacht oder meinen viel zu lange getra­ge­nen Kon­tak­tlin­sen entsprungen.

In kleinen Zim­mern sitzen und augen­blick­lich jeden Dreh am Ther­mo­stat spüren, weil nie zu viel Abstand zwis­chen mir und dem Heizkör­per unter dem schmalen Fen­ster zur Straße hin liegt.

In kleinen Zim­mern sitzen und vom Souter­rain aus unan­greif­bar die Basiskurve anheben, die in den sieben mit­ge­brachten Büch­ern aus dem Kof­fer Frag­mente hergegeben hat zur freien Weiter– und per­sön­lichen Selb­sten­twick­lung. Sil­bern gezo­gene Hor­i­zonte, keinen Meter ent­fernt von jedem Punkt gewach­sen, in den kleinen Zim­mern, Lin­ien, die sich als Mem­bra­nen offen­baren, wenn ich sie in Ruhe beobachte, mor­gen­nachts und ger­ade dann, wenn keine Zeit mehr sich findet.

In kleinen Zim­mern sitzen, lauschend dem Kopfhör­erpaar, die da im Raum liegen, unter null, eine Mon­stranz, ein Altar, ein Mon­i­tor vielle­icht, in dem alle poten­tiellen Ern­st­fälle erprobt und ent­fernt geren­dert wer­den, vielle­icht, in kleinen Zellen eines Seins aufgefangen.

In kleinen Zim­mern sitzen und abrat­tern, Text –*

Null. Eins.

Die sich­er­ste Sicher­heit, die berechen­barste Reihe machte ihm die größten Prob­leme. Noch mehr Prob­leme, wenn man seine Dauer­schleife an Gedanken so nen­nen kon­nte, als die Welt, aus der er sich damals in die Zahlen geflüchtet hatte.

Eins. Zwei.

Seine Auf­sichtsper­so­nen hat­ten ihn in Rich­tung dieser Zahlen ein­genordet, als er mehr und mehr an der Unver­lässlichkeit zu beißen hatte, denn die Zahlen schienen ihnen ein ver­lässlicher Part­ner. Damals war man noch von der Angst beseelt, dass unzufriedene Kinder nahezu zwang­haft auf die schiefe Bahn ger­aten mussten. Aus ihrer päd­a­gogisch wertvollen Sicht war wohl das Ver­ant­wor­tungs­be­wusste gewe­sen, solchen Schülern und Schü­lerin­nen Auf­gaben als Leit­ban­den zur Seite zu stellen. Die Nar­ren! Und er hatte in seiner Ver­loren­heit die Schienen nur allzu gerne mit großen Augen angenom­men, sie zu Gän­gen gemauert aufge­zo­gen bis in den Him­mel, geweißt zum Aufze­ich­nen des Fol­gen­den benutzt. Das einzig Spon­tane an seiner Folge war von da an seine vari­ierende Hand­schrift und auch bei der ließen sich Muster festmachen.

Die Zahlen gestal­teten ein sicheres Zim­mer in dem Haus, in dem er mit der Men­schheit lebte.

Drei. Fünf.

Doch in all der Sicher­heit hatte er schließlich den Riss in der Wand ent­decken müssen. Er war so alt, nicht mehr zu sehen, nur beim langsamen Berühren der Zahlen fühlte man seine Präsenz. Aber da war er, und beim ersten Kon­takt hatte er sich bei ihm fest­ge­setzt. Jetzt ließ er ihn nicht mehr los. Wo die math­e­ma­tis­chten Denker ein­fach weit­er­zo­gen zu hehren Zie­len, schrie es ihm entgegen:

Es gab keinen Anfang.

Acht. Dreizehn.

An den Anfang hatte man die Null gesetzt, danach selb­stver­ständlich, wie es scheint, die Eins. Danach lief wieder alles regel­recht ab, nur diese ersten bei­den Zif­fern hiel­ten sich an nichts. Nur eine Episode, Null. Eins. Pures Chaos, aus dem alles entstand?

Ein­undzwanzig. Vierunddreißig.

Wenn die Anfänge nicht richtig waren, wie kon­nten sie dann solche ide­alen Regelmäßigkeiten her­vor­brin­gen, die schließlich die Welt erk­lären kon­nten? War die Ord­nung der Nach­fol­gen­den gar eine Illu­sion, die sich Suchende wie er in die unglück­liche Zufäl­ligkeit gesetzt hat­ten, um sich daran festzuhal­ten? Null. Eins. Erste in einer Welt von Chaoten? Vielle­icht hatte Fibonacci einen Fehler gemacht, oder ein­fach zu früh aufge­hört. Hatte er es über­haupt als fer­tig ange­se­hen? Null. Eins. Großes scheit­ert immer am Anfang, nie am Ziel. Noch nie hatte er von etwas gehört, das fer­tig war und plöt­zlich falsch.

Fün­fund­fün­fzig. Neunundachtzig.

Die Zahlen waren nicht mehr sicher, jetzt wo er sah, wie brüchig ihre Grund­festen waren. Aber er kon­nte schließlich auch nicht hin­aus, so weit hatte er sich fro­hen Mutes einge­mauert, ohne eine Tür zu lassen. Mit fes­ten Füßen in ungewusste Fehler einbetoniert.

Die Unruhe wuchs in ihm, er set­zte sich, um ein paar neue Zahlen zu notieren. Ein­hun­dertvierund­dreißig. Zwei­hun­dert­dreiundzwanzig. Unter seinen geschlosse­nen Lid­ern prangte der Spalt. Wieder auf­ste­hen, um ihn zu unter­suchen. Null. Eins. Die unbeschrieben­ste, ursprünglich­ste aller Dichotonien: Nein. Ja. Nicht. Schon. An den Anfang der größt­möglichen Har­monie hatte jemand den ulti­ma­tiven Gegen­satz gesetzt und ihm dann an den Kopf gewor­fen. Es waren immer solche Momente gewe­sen, in denen er an höhere Wesen glaubte. Der Demi­urg musste ein Sadist sein.

Drei­hun­dert­siebe­nund­fün­fzig. Fünfhundertachtzig.

Die per­fekte Reihe musste sich doch wehren, ihren lach­haften Ursprung zumin­d­est im Nach­hinein ver­ban­nen. Aber die Zahlen liefen weiter, keine Entschle­u­ni­gung, kein Blick zurück. Den ließen sie ihm über, so musste er wohl ihre Rache führen. Aus­brechen, Ein­brechen. Zum Ein­stürzen brin­gen? Die Ord­nung in ihrem Ursprung zuführen. Weit­er­schreiben, die Zahlen zum Vorschlagham­mer for­men. Anheben.

Neun­hun­dert­siebe­nund­dreißig. Ein­tausend­fünfhun­dert­siebzehn. Zweitausend­vier­hun­dertvierund­fün­fzig. Dre­itausend­ne­un­hun­dertei­n­und­siebzig. Sech­stausend­vier­hun­dert­sech­sund­ne­un­zig. Null. Eins.

Null. Eins.

Null. Eins.

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Dieser Text ist Teil des Pro­jekt .txt auf neon|wilderness, Wort “Wahn.”

  

 

raum und leere,

kör­per und ton.

 

wir nehmen, was wir müssen

nicht­sein dür­fen wir nicht

noch mehr exis­tenz ist

gezwun­gener­maßen sinn

wir müssen, was wir dürfen

wer­fen unsselbst in die waagschale

wir, wir, wir sind das mate­r­ial dieser zeit

nichts­destotrotz enden wir, abundzu

im jahr null wer­den wir immer neu wir

kollek­tive trauer ist unser sieb, wir sind geschliffen

wir, wir, wir, jetzt ohne euch

 

kör­per und ton,

raum und leere.

 

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Der vor­liegende Text ist ein Beitrag zum Pro­jekt .txt, Stich­wort “nichtsdestotrotz”.

augenlicht

Mein Augen­licht hatte ich in der Schule vergessen, weshalb ich am Heimweg das Elend, das mir ins Gesicht sprin­gen wollte, nicht bemerkte und fol­glich links liegen ließ.
Als ich am näch­sten Tag wieder sehen wollte, war es schon mit jemand anderem gegan­gen und ich blieb weit­er­hin allein.
In Betra­cht der weit­eren Geschehnisse wohl besser so. Denn das Elend wurde gemütlich und undurch­sichtig. Als dieser andere, mit dem es mit­ge­gan­gen war, erkan­nte, was es war, näm­lich das Elend und nicht etwa eine selb­st­be­fül­lende Dose Bier, ließ er es eben­falls bald – nahezu mit sofor­tiger Wirkung – links liegen, während dieser andere rechts weit­erg­ing. Was das Elend wütend machte und es dazu brachte, ihm mit hitzigem Geheul zu fol­gen. Was wiederum keinen ger­ade ruhi­gen Schlaf gewährleis­tete, wie der andere mir später ges­tand, als wir Fre­unde gewor­den waren. Und ruhiger Schlaf, der war und ist mir immer schon entschei­dend gewe­sen.
Von all dem wusste ich nun aber nichts. Ich war daher betrübt. Und wie das so ist, führt die Betrübtheit zu nichts, außer Kurz­schlussreak­tio­nen.
Meinen Schuldigen an der Mis­ere fand ich und begann daher immer häu­figer, mein Augen­licht nach dem Unter­richt mit den Filz­pantof­feln in den Spind zu sper­ren. So über­sah ich das meiste und erlebte ebenso viel.
Anfangs machte mir das Dunkel noch Angst, ich bereute mein Tun spätestens zuhause bei den auftre­tenden Prob­le­men mit den Auf­gaben. Auf so einen dun­klen Tag gab ich mein Augen­licht wochen­lang nicht aus der Hand.
Doch es war auch aufre­gend und so tat ich es immer wieder und häu­figer. Bald wur­den meine Schritte sicherer und mit etwas Geschick und List lernte ich auch im Unter­richt unter dem Radar zu bleiben, was mir die ewigen Predigten der Lehrer mein Augen­licht betr­e­f­fend ersparte. Ich kam also ganz gut durch.
Ich schaffte es, durch Übung und Präzi­sion, die notwendige Langsamkeit zur Gra­zie zu for­men und aus meiner Bewe­gung ohne mein Augen­licht ein Marken­ze­ichen zu machen. Mit den Zeiten legte ich auch das let­zte Stolpern ab, behielt mir aber die Dis­tanz, ich war für alle stets in Sichtweite, aber auch nie näher. Als ich meinen Abschluss machte, war ich unfass­bar gewor­den.
Die darauf­fol­gen­den Jahre waren von einem strahlen­den Erfolg geprägt. Mein Augen­licht trug ich jetzt nur noch zu Anlässen. Bei diesen erk­lärte man mir dann stets unisono, wie glänzend dieses nicht sei, wie neu würde ich ausse­hend, unwis­send, wie neu mir mein Augen­licht in Wirk­lichkeit war. So eroberte ich in einer unge­se­henen Leichtigkeit Gesellschaften, in denen ich meiner Herkunft nach nicht ein­mal Sekt servieren hätte dür­fen. Aber mein Auftreten war in diesen Kreisen schnell zu einer Sen­sa­tion gewor­den und einem Spek­takel stellt man keine Fra­gen, man liest ihm Wün­sche von den Augen ab. Da ich keine hatte, nah­men sie mich her­zlich auf und reichten mich durch die Ränge, bis ich eine Posi­tion erre­icht hatte, die auch für mich ergiebig war.
Meine auftre­tende Unzulänglichkeit in Mode– und prinzip­iellen Farbfra­gen über­spielte ich mit einem Schwur auf schlichte Ele­ganz, mit schwarzen Anzü­gen kon­nte man glück­licher­weise noch nie etwas falsch machen, was mir mein Augen­licht bei der Geburt­stags­feier meines altern­den Förder­ers, dessen Geschäft ich bald darauf übernehmen sollte, bestätigte.
In der Posi­tion, die ich in diesem Unternehmen über­nahm, wurde mein wahres Tal­ent offen­sichtlich: Bauchentschei­dun­gen. Ich hörte mich über­all um und fol­gte dann blin­d­lings meinem Gefühl und ließ danach agieren. Ich war ein Genie des Delegierens, ich war der unent­behrliche Mit­tel­mann und tanzte am Par­kett zwis­chen großen Män­nern und großen Infor­ma­tio­nen hin und sehr, so andächtig, dass mir viele bald aus freien Stücken ihre Fäden in die Hände legten.
Meinen Auf­stieg durch die Gesellschaften kon­nte also kein Ein­halt geboten wer­den. Denn sie alle ver­trauten meinem Auftreten, meinem Antlitz, und ich entsch­ied mich dazu, sie nicht zu ent­täuschen. Also kam ich ganz gut durch.
Nach vie­len Jahren gab ich Anfang diesen Jahres die Führung des Unternehmens meines Gön­ners, welches ich ganz zu meinem Geschäft gemacht hatte, ab und bezog am sel­ben Tag meines Rück­zugs aus dem Tages­geschäft einen Auf­sicht­srat­sposten. Und so tanzte ich auch dieses Jahr auf allen Par­ketts, die in meiner Branche von Bedeu­tung sind, Das war ein Glücks­fall, wahrlich, denn es stellte sich bald nach meiner Pen­sion­ierung her­aus, dass ich mich zuhause, als ich länger alleine und untätig war, nach meinem Augen­licht sehnte und begann, es immer häu­figer aufzuset­zen.
In mir wuch­sen Erin­nerun­gen an meine Kind­heit, als ich noch gedanken­los mit ihm durch die Welt ging. So trug ich mein Augen­licht wieder mit ansteigen­der Regelmäßigkeit. Das besän­ftigte meine Ret­ro­spek­tive für eine Weile, doch als ich bemerkte, dass meine wach­sende Sen­ti­men­tal­ität zunehmende Gebrauchsspuren an meinem Augen­licht hin­ter­ließ, saß der Schock tief. Ich sper­rte es rasch wieder ab und nahm mir vor, es in Zukunft noch spär­licher auszuführen.
So sah man mich wieder öfter in meinem alten Büro, wo ich allen hil­fs­bereit im Weg herum­stand, bis meine Nach­fol­ger einge­s­tanden, dass sie auf meine blinde Gewis­sheit nicht verzichten woll­ten, ja, nicht kon­nten, weswe­gen sie mir einen Berater­posten anboten. Die Feier­lichkeiten ließ ich allerd­ings immer mehr unbe­sucht ver­stre­ichen. Ich wollte mein Augen­licht nicht unnötig stra­pazieren und ohne entsprach es nun wirk­lich nicht der Abendgarder­obe.
Doch ich hatte in den let­zten Monaten das Gefühl, seit man mich nur noch im Büro, also nur noch ohne mein Augen­licht antraf, began­nen die Men­schen, den Respekt, den sie mir ent­ge­gen­brachten, von mir abzuziehen. Natür­lich wurde auch jetzt noch jeder Rat, jeder Tipp, den ich von mir gab, minu­tiös umge­setzt, doch mir schien es, als ob sie es nur noch einer Idee von mir zuliebe taten, das aktuelle Ich, das war ihnen unver­ständlich gewor­den. Es war, als ob mit meinem Augen­licht auch das ihrige von der Bild­fläche ver­schwun­den war.
Allerd­ings kon­nte ich bisher mit diesem Gefühl gut leben und wollte keine Gedanken an mein Augen­licht oder an das Augen­licht anderer ver­schwen­den. Seit Monat­san­fang stürzte ich mich daher auf die Umstruk­turierung, die ich vor Jahren angedacht, aber auf­grund des Fehlens des richti­gen Umset­zers vor mir hergeschoben hatte. Nun, da ich das Tages­geschäft abgegeben hatte, würde ich das selbst erledi­gen, dachte ich. Und ich ging mit fes­tem Fuß ans Werk. Es geschah das, was ich mir erhofft hatte: Ich hatte eine neue Obses­sion gefun­den. Aber bald erkan­nte ich, mit welcher Mühe es ver­bun­den war, ohne Augen­licht tätig zu sein, ich ver­wand meine ganze Kraft darauf.
Vor zwei Wochen zog ich mich aus dem Büro zurück, der Anfahrtsweg schien mir eine über­flüs­sige Ver­schwen­dung meiner Arbeit­szeit zu sein. Zuhause stand mir dage­gen nichts im Wege, den ganzen Tag mit dem Pro­jekt zu ver­brin­gen. Irgendwo musste die Umstruk­turierung ja begin­nen.
So, ver­tieft in die sys­tem­a­tis­che Verän­derung der Welt um mich, fan­den mich die Beamten vor, als sie heute um 11:15 läuteten. Sie mussten es mehrmals ver­suchen, bis ich sie hörte. Die let­zten Nächte hat­ten zu wenig Schlaf gese­hen, denn das Pro­jekt nahm For­men an.
Ich hörte den einen, älteren Beamten etwas Län­geres sagen, doch ich ver­stand nur, dass sie mich baten, sie auf das Revier zu begleiten. Schnell stimmte ich ein und zog mir die Schuhe an. Ob ich noch etwas anziehen wolle, fragte der jün­gere Polizist, dafür wäre genug Zeit. Ich über­legte kurz, aber nein, das war kein Anlass für Fes­tk­lei­dung. Ich zog also nur eine Wind­jacke über.
Im Auto herrschte Stille. Ich wusste sie nicht zu deuten, da ich nicht wusste, zu welchem Zwicke sie mich abge­holt hat­ten. Durften sie nicht mit mir sprechen, wenn ich auf der Rück­bank eines Polizei­wa­gens saß?
Ein Luftzug war spür­bar, als der Mann vor mir sein Fen­ster öffnete. Er, es war der jün­gere, fragte, ob das in Ord­nung sei. Ich bejahte. Bei­s­tand zur Staats­ge­walt, ich sah mich und meine Sit­u­a­tion im Aufwind. Ich schien ganz gut durchzukom­men.
Als wir am Revier zum Hal­ten kamen, schien es mir, als wollte einer der bei­den mir die Tür aufhal­ten, was mich wun­derte, aber ich war schneller und stand schon neben dem Auto, als er bei mir ankam.
Beim Betreten des Gebäudes kam mir erst­mals der Gedanke, dass es ver­mut­lich hil­fre­ich wäre, zu wis­sen, weshalb ich hier war. Worüber sie mit mir sprechen woll­ten.
In ruhiger, beruhi­gen­der Stimme des Älteren wurde der Name meines besten Fre­un­des genannt und, dass ich jetzt sehr stark sein müsse. Ich ver­stand es nicht und als sie weit­ergin­gen in den näch­sten Raum, kon­nte ich ihnen nicht fol­gen. Ein Beamter nahm mich am Arm. Ich müsse jetzt sehr stark sein, wieder­holte er.
Man hatte ihn heute Mor­gen im Park gefun­den. Kopf­schuss, mit­ten durch die Ohren. Das Elend kni­ete neben ihm, als man ihn wegtrug. Ich ver­stand auch das nicht und fragte, was sie denn bitte von mir woll­ten, das solle man mir doch mit­teilen. Iden­ti­fizieren, wenn es geht. Ich war als seine Ver­trauensper­son einge­tra­gen, auf einem Zettel, zusam­mengeknäult in seiner Geld­börse.
Es war ein Anlass. Ich kon­nte ihn nicht iden­ti­fizieren, ich hatte mein Augen­licht zuhause gelassen. Ich wusste nicht, was zu tun war. Anscheinend zit­terte ich, denn der Ältere legte seine Hand auf meinen Arm. Mein Atem beruhigte sich aber nicht, auch nicht, nach­dem eine zweite Hand auf mir zu ruhen kam.
Ich brachte kein Wort her­aus, ich wusste nicht, was ich tun kon­nte. Sollte ich der Polizei vielle­icht sagen, dass ich mir nicht sicher war? Nein, das würde mir nie­mand abkaufen. Entweder er war es, oder er war es nicht.
Ich sollte ihnen ein­fach sagen, dass ich nicht fähig war, meinen Fre­und zu erken­nen. Schlicht. Das war alles, was ich tun kon­nte, tun musste. Aber das kon­nte ich nicht, das würde alles zer­stören, mein Leben, wie ich es kan­nte, wäre vor­bei, wenn ich zugeben müsste, ohne mein Augen­licht auszukom­men. Zwick­mühle. Der Griff an meinem Arm wurde fes­ter und auch das Zit­tern. Vielle­icht zit­terte ich nicht, vielle­icht schüt­telte der Mann mich auch, damit ich zu reden begänne. Nicht ein­mal das kon­nte ich unter­schei­den. Ich hatte mein Augen­licht zuhause gelassen. Ich würde geste­hen müssen.
Doch die Polizis­ten kamen mir zuvor. Mein Beileid, presste der Jün­gere wie einen Befehl zwis­chen den Lip­pen her­vor. Es klang aufrecht, so als ob er es ehrlich meinte, aber bis jetzt nicht die richtige Form dafür gefun­den hätte.
Sie hat­ten mich aus der Affäre gezo­gen, meine kör­per­liche Reak­tion inter­pretiert, so dass ich kein Wort sagen musste. Entspan­nung. Ich hörte, wie eine Decke über etwas Kaltes gezo­gen wurde, wie sie für einen Moment an der Nase hän­gen blieb und sie im näch­sten Moment zudeckte, für immer.  Vielle­icht.
Ich drehte mich um und ging, nach­dem ich mich vom Griff der Beamten gelöst hatte, wort­los. Ich nahm exakt den sel­ben Weg zur Tür, auf dem ich herein gekom­men war. Als ich die Tür hin­ter mir ins Schloss fallen hörte, fing ich an zu laufen. Mein bester Fre­und war vielle­icht tot.
Ich wurde blind schneller, ich kan­nte ja den Weg. Vielle­icht. Ich ver­stand nichts mehr, weil ich mein Augen­licht nicht abnutzen hatte wollen. Hatte ich jemals ver­standen? Wie kon­nte ich glauben, irgen­det­was zu wis­sen, irgen­det­was zu ken­nen, Men­schen oder das Geschäft, wenn ich meinen Augen nicht trauen kon­nte? Die Leute in der Firma, am Par­kett hat­ten mir ver­traut, mein Fre­und nan­nte mich vielle­icht gar seine Ver­trauensper­son. Ich beschloss, sie nicht zu ent­täuschen.
Ich beschle­u­nigte meinen Schritt, ich würde nach Hause laufen und meinem besten Fre­und, wenn er es denn war, die Ehre erweisen, samt meinem Augen­licht. Schneller. Und von da an würde ich es wieder mit mir führen, denn woher wusste ich denn, was die Men­schen um mich wirk­lich taten? Fol­gten mir die Beamten? Vielle­icht. Schneller. In die näch­ste Straße links ein­biegen, dann ger­adeaus. Ich dachte daran, einen kleinen Umweg zu nehmen, um die Ver­fol­ger abzuschüt­teln, aber schon im näch­sten Moment ver­warf ich die Idee eiligst wieder. Sie hat­ten ja ihr Augen­licht, das brächte also nichts. Stattdessen wech­selte ich die Straßen­seite. Nicht so hek­tisch, ich fühlte Schwindel auf­steigen. Sie kon­nten nicht. Da war nie­mand. Mein bester Fre­und war vielle­icht tot. Nie­mand war da. Ich beruhigte mich etwas, musste einen Fuß fest auf den Boden set­zen. Schwinden.  Vor­sicht üben, ich wollte nicht stolpern, also blieb ich ste­hen.
Mein bester Fre­und war vielle­icht tot. Ich hörte wieder die Decke, die mich zudeckte, kurz.
Ich sollte Blu­men kaufen. Vielle­icht würde ich ja jetzt das Elend sehen, vielle­icht, jetzt wo er weg war, war es immer­hin allein. Sie hat­ten gesagt, es war im Park gewe­sen. Ich hatte das Gefühl, es war noch in der Gegend.

Dass wir alt wurden,

merkte man in ihrem Gesicht

nicht in ihrem Gesicht

aber in ihrem hundsmü­den Blick.

 

Müde waren sie früher nicht,

unsere grauen Augen,

ihre Augen, ihre Augen

waren hellwach, bis sie

nicht mehr waren.

 

Jetzt sind sie müde,

ihre alten Augen,

und man sieht mir an,

dass wir daran leiden.

 

————-

OB DIE MÖWEN

JEMALS HIER REIN

KOMMEN,

FRAGEN WIR DIE PASSANTEN,

DIE UNS IM VORÜBERZIEHEN

UNVERSTÄNDNIS AUS

TAUBENGESICHTERN

ZUWERFEN

Ich habe diesen Vogel gefunden.

Am Weges­rand, klein und zerschunden.

Zuerst hatte ich Angst, ihn zu zer­brechen, ihn zu fest anzu­packen, sein kaputtes Gemüt vol­lends zu ruinieren. Ich wollte ihn liegen lassen, der Welt nicht ins Handw­erk fassen.

Aber irgen­det­was an diesem Vogel hatte mich fest­ge­hal­ten und nach eini­gen Schrit­ten kam ich zurück, set­zte mich neben ihn und betra­chtete ihn genauer.

Brauchst du einen Fre­und? Jeman­den, der dir die Welt erk­lärt und auf dich schaut? Ich brauche so jeman­den, vielle­icht kann ich so ein Fre­und für dich sein.”

Ich hob ihn also auf, er wehrte sich nicht. Es würde Zeit brauchen, wir wür­den uns daran gewöh­nen müssen, uns zu haben, er würde sich daran gewöh­nen müssen, zu leben, aber vielle­icht waren wir gut für einan­der. Fre­unde findet man nicht jeden Tag und sie waren zu sel­ten, um eine Chance im Wald liegen zu lassen.

Mit der Zeit wuch­sen wir zusam­men, der Vogel und ich. Sein Gefieder erstrahlte wieder in leuch­t­en­dem Rot, mir kam dann und wann ein Lächeln über die Lip­pen. Der Vogel und ich, wir hat­ten das gute Leben ent­deckt und mit ihm die Far­ben, denn wir lebten es in tiefen Atemzü­gen, ohne Rück­sicht auf die Welt, aber stets mit offe­nen Augen, offe­nen Toren. Wir haben den Beobachter gegeben und gin­gen darin auf. Wir waren das per­fekte System.

Bis das Sys­tem zusam­men­brach. Die Tore waren wohl zu weit offen gewe­sen. Zu ein­ladend die Weiten der Welt. Der Drang, etwas Besseres zu finden.

Ich hatte diesen Vogel gefunden.

Eine leere Voliere. Ein leeres Stück Leben.

Auf­bruch. Abbruch.

zweimal jährlich in london

und ein­mal in paris bücher kaufen.

niemals ohne frischen haarschnitt nach­hause kommen,

aber auch nie ohne bild­ma­te­r­ial antreten.

über­all straßen mit darauf wan­dern­den finessen beobachten.

nach möglichkeiten der eige­nen befindlichkeit

mit den leuten, der stadt interagieren.

nur in ander­ssprachi­gen städten ubahnzeitun­gen lesen,

aber immer den sta­tio­nen­plan im auge behalten.

 

tagsüber in dem einen café vom ersten tag,

des nachts in hotelz­im­mern an plumpen sätzen feilen.

 

Dies ist mein zweiter Text zu Dominik Leit­ners .txt-Projekt. Das entschei­dende Wort lautete “wün­schen”.

 

 

 

 

 

Zwei Men­schen sitzen an einem Gar­ten­tisch vor der gel­ben Stuck­fas­sade eines alten Her­ren­hauses. K., Ende zwanzig, trinkt Min­er­al­wasser mit einer einzel­nen Zitro­nen­scheibe. Z., Jahrgang 1935, trinkt Kaf­fee, schwarz, Milch in einem Achtel­glas neben­bei. Auf der anderen Straßen­seite sam­meln sich einige Jugendliche in gle­ich­för­mi­gen, sil­ber­nen Plastikanzügen.

Z: Siehst du die? Was die wohl tun hier?

K: Wen? Ach, die, die wer­den wohl agi­tieren. ... Schweinehunde.

Wirk­lich eine Gemein­heit das.

Die Jugendlichen holen Spray­dosen aus einer Sport­tasche und begin­nen, Men­schen­ver­ach­t­en­des an die Wand zu schreiben.

Sind dort. Hof­fentlich bleiben sie ... Hey! Lasst das. Hof­fentlich dort.

Fast wie damals. Heute Wände, damals eben Aus­la­gen­scheiben. Und ich mit­ten­drin­nen, sag ich dir ... Schweinehunde.

Sag, Opa, wie war das? Fan­d­est du das gut damals? Vom Jetzt ganz unab­hängig, natürlich.

Scweine­hunde, alle! Und ich mit­ten­drin. ... Hey! Lasst das doch.

Du mit­ten­drin. Wieso dann nicht woan­ders, Opa?

War erfordert. Weißt du doch. Kon­nte ja nicht. ... Weil Zukunft. Da Jetzt.

Das ist wirk­lich schwach, Opa. So gegen das eigene Besser­wis­sen ... Was schreiben die  eigentlich, die Agi­tieren­den? ... Hey! Lasst das doch bitte endlich! ... Schweine­hunde, schreiben dort Menschenverachtendes.

Die Agi­tieren­den haben ihre Wand gän­zlich in Farbe getaucht, sodass durch die Fülle der Schrift das Men­schen­ver­ach­t­ende im Ganzen aufgeht und schwer erken­ntlich, für den zufäl­li­gen Pas­san­ten nicht mehr sicht­bar sind und nur eine schwache Prä­gung auf der Ober­fläche mancher Gedanken hin­ter­lassen. Sie, die Agi­tieren­den, bemerken jetzt die bei­den auf der anderen Straßen­seite und kom­men, um auch die gelbe Stuck­fas­sade des Her­ren­hauses zu beschreiben.

Jetzt kom­men sie her, wunderbar.

Die Agi­tieren­den sprühen unbeein­druckt durch diese wenig aggres­sive Unmuts­bekun­dung Men­schen­ver­ach­t­en­des auf die gelbe Fassade.

Das ist wirk­lich. ... Schweinehunde.

Willst du sie nicht abhal­ten, irgend­wie? ... Hey!

Kann doch nicht. Lass sie tun ... Solange sie nur agitieren.

Hast du auch wieder recht, jaja. Wie damals.

Ist schon schlimm. Mit­ten­drin, wir hier. Scheiße. ... Wir Scheiße, scheiße, scheiße.

Innen­drin ganz. Vielle­icht soll­ten wir doch.-

Die Agi­tieren­den kom­men an den Tisch, schauen die bei­den an und begin­nen, als K. den Kopf nur undeut­lich in diverse Rich­tun­gen bewegt, Men­schen­ver­ach­t­en­des auf seinen Kör­per zu schreiben. Der muss sich winden, um noch sprechen zu kön­nen, ohne Lack­spray zu schlucken. Die Augen hält er geschlossen.

Viel zu sehr innen. Schweine­hunde. Wir haben keine Zeit. Etwas grüné Farbe berührt seine Zunge und seine Mund­höhle. Hey!

Komm eben auf meine Seite! Von hier aus kannst du dich.-

Kann doch nicht.

Die Agi­tieren­den packen ihre Spray­dosen in die Sport­tasche und nehmen K. auf ihre Schul­tern. Dann tra­gen sie ihn, auf­grund seines, von ihnen unter­schätzten, Gewichts langsam, weg. Die Sport­tasche bleibt auf dem Ses­sel zurück.

Kann doch nicht. Weil Zukunft!

...

Wie damals. Heute Wände, damals dann Schaufen­ster. Weil Zukunft. Zer­brechen mittendrin.

Z. stellt seinen Kaf­fee, schwarz, auf die Unter­tasse am Tisch. Dann leert er die Milch in die Tasse und schwappt den Rest aus. Dann die Zitro­nen­scheibe des Opfers Kol­lab­o­ra­teurs.


 

Dies ist mein erster Text zu Dominik Leit­ners .txt-Projekt. Das entschei­dende Wort lautete “Grat­wan­derung”.

 

 

2014 hät­ten wir geschafft, mehr oder weniger. Es ist viel passiert und noch weniger weit­erge­gan­gen in der Welt. Und wie das so ist, gilt es ein wenig Bilanz zu ziehen (wenn auch auf den let­zten Drücker!). Da ich mich aber ohne­hin das ganze Jahr über beschw­erer, will ich diese Gele­gen­heit dazu nutzen, einen Blick auf die Habens­seite zu werfen.

Per­sön­lich habe ich heuer zumin­d­est zwei ganz gute Arbeiten, eine zur Bewe­gung als Geschichts­be­wäl­ti­gung bei Arno Geiger und eine zur Funk­tion und Kon­struk­tion von Garten­räu­men bei Jules Verne, geschrieben. Lit­er­arisch ist auch so manches auf Papier gekom­men, das meiste hängt allerd­ings noch im Lim­bus diverser Wet­tbe­werbs– und Zeitschriftenredak­tio­nen. Darüber kann man also noch nicht viel Aus­sagekräftiges berichten, vielle­icht schreibe ich irgend­wann über die komis­che Mix­tur aus Hoff­nung und Ver­nich­tungs­gewis­sheit, die dieser Prozess erzeugt, aber jetzt will ich ein biss­chen auf das Werk anderer schauen.

Was hat mir dieses Jahr gegeben, jetzt immer kul­turtech­nisch gesehen?

Da wären vor­erst die Bücher. Ich habe mich in meiner Auswahl auf diesjährige Erschei­n­un­gen beschränkt, aus Zeit– und Platz­grün­den, dem größten Prob­lem all meiner kura­torischen Ambi­tio­nen. Deshalb weil ich auch noch andere Medien besprechen will, bringe ich auch nur meine Top 3 und nicht, wie vielerorts üblich, meine Top 10 dar:

Die Einzi­gen, von Nor­bert Nie­mann, erschienen beim Berlin Verlag.

Dieser Roman über die älter wer­den­den ehe­ma­li­gen Mit­glieder einer avant­gardis­tis­chen Band hat viel Gutes, allen voran eine Stimme seines Pro­tag­o­nis­ten, die glaub­haft den Spa­gat zwis­chen nos­tal­gis­cher Hoff­nungslosigkeit und Zukun­fts­glaube schafft. Er beschreibt ein Gefühl, welches wohl viele ken­nen, keine Per­spek­tive zu haben, aber trotz­dem nicht aufgeben zu kön­nen. Einzig ein recht schwaches Ende platziert diesen Text auf drit­ter und nicht höherer Stelle.

 

Bilder deiner großen Liebe, von Wolf­gang Her­rn­dorf, erschienen bei rowohlt.

Wenn wir uns mit der Buch­form von Arbeit und Struk­tur ein stück­weit vom Men­schen und Blog­ger Wolf­gang Her­rn­dorf ver­ab­schieden kon­nten, so ist dieser kleine Roman dieser Abschied von seiner Lit­er­atur und seinen her­zlich ver­schrobe­nen Fig­uren. Ein Kun­st­griff, welcher an Hof­mannsthal erin­nert, lässt eine genaue Zuord­nung zu wahr oder falsch schon zu Beginn nicht zu und wirft so nochmal alle Regeln über Bord. Dass man die Unvoll­ständigkeit erkennt, stört hier­bei gar nicht, vielmehr spielt es ver­stärk­end in das Konzept mit ein.

 

Gräser der Nacht, von Patrick Modi­ano, erschienen bei Hanser.

Ich kan­nte Modi­ano nicht, bevor er den Nobel­preis bekam,  das Buch erstand ich mehr oder weniger im Vorüberge­hen von einem dieser Nobel­preis­tis­che, die nach der Ver­lei­hung vor allen Buch­lä­den auf­tauchen. Und es erwies sich als Glücks­griff und fungiert für mich als per­fek­tes Beispiel, was Lit­er­atur­preise neben der Ehrung und Finanzierung von Schrift­steller­leben sein sollen: Ein großes Papp­schild auf dem in dicken Marker und großen Let­tern steht: “Hey, lies mal rein, wir finden das hier gut!” Dass hier­bei viel mehr junge, neue Lit­er­atur zum Zug kom­men sollte, ist ein anderes Thema.

Gräser der Nacht ist mit Abstand das beste Buch, das mir 2014 unter die Fin­ger gekom­men ist. Der spielerisch leichte Wech­sel zwis­chen den Jahrzehn­ten und Wahrnehmungsebe­nen , gepaart mit einem Plot, der schein­bar selbst noch nicht weiß, in welche Rich­tung er sich entwick­eln will, während er passiert, erzeugt ein Leseer­leb­nis im wahrsten Sinne des Wortes und das Gefühl, bei nochma­li­gen Lesen kön­nte etwas ganz anderes erzählt werden.

 

Im Anschluss will ich ein paar wenige, zwei, um genau zu sein, filmis­che Werke her­ausstellen, die neben meinem exzes­siven Nutzen meines neuen Netflix-Accounts her­aus­gestochen haben:

The Zero The­o­rem, von Terry Gilliam.

Ein Film, der mich keine 48 Stun­den später schon wieder ins Kino zieht, ist ein Novum. Dass ich begeis­tert davon war, kann man mit­tels meines Textes Nie mehr Tan­nen­bäume unschwer erken­nen. Gilliam hat eine Welt erschaf­fen, die in sich ganz neu und noch nicht ganz schlüs­sig, nach außen trotz­dem kohärent und unserer heuti­gen nicht ganz unähn­lich erscheint. Mit Christoph Waltz hat er zudem die per­fekte Beset­zung, die er daran zer­brechen lassen kann. Kein ein­faches Vergnü­gen, aber dafür ein umso größeres.

 

Last Christ­mas, Wei­h­nachtsspe­cial Doc­tor Who.

Niemals mehr gedacht, dass noch zu erleben, und doch ist es wahr gewor­den: Ein Doc­tor Who-Folge aus der Feder von Stephen Mof­fat, die kein riesiges (Plot-)Loch in meiner Seele hin­ter­lässt. Mit Abstand die beste Story seit 12 und endlich eine Clara, die einem am Herzen bleibt.

 

So. Jetzt gibt es noch ein Thema und das wäre die Musik. In der Musik ist 2014 etwas passiert, das mich zuerst in ungläu­biges Staunen und dann in helle Begeis­terung ver­setzt hat: 1989.

2014 war das Jahr von Tay­lor Swift, dieses Album ist alles, was an Pop jemals gut war und was an Pop schon so lange nicht mehr gut war. Des immer­gle­ichen Country-Sounds entledigt liefert die Scheibe unnachgiebig selb­st­sichere Hym­nen, ohne dem früher so all­ge­gen­wär­ti­gen Blick zurück. Alles, was mich auf meinem ver­schneiten Balkon tanzen lässt, ist Goldes wert.

Schlussendlich will ich hier noch ein paar Blogs lis­ten, die ich dieses Jahr beson­ders gerne gele­sen habe:

Wir schreiben auf katkaesk.

Ich mag dich gut lei­den. ebenda.

Herr Leit­ner ver­misst unbekan­nte Ver­wandte. auf Neon|Wilderness. Ebenso die anderen Herr Leit­ner ... Teile.

Immer nur. Nie. ebenda.

abgedichtet(3) auf kleinerdrei.

Das Prob­lem mit hal­ben Sachen auf viennella.

Und zuletzt in eigener Sache: Mein lieb­ster Blog­texte 2014 war Ein­skom­mafün­fzwei Kilometer.