In Per­ch­tolds­dorf läuft derzeit eine äußerst gelun­gene, sehr ambi­tion­ierte Insze­nierung von Shake­speares let­ztem Stück „Sturm“ unter der Regie von Michael Stur­minger. Man erkennt deut­lich dessen Erfahrun­gen im Musik­the­ater, viel wird gesun­gen und getanzt, die Schaus­pieler geben sich in der zen­tralen Zelle nicht nur Vers und Klinke, son­dern vor allem Instru­mente in die Hand. Mit­tels eingestreuten Versen des englis­chen Orig­i­nals und Gesang­sein­la­gen wird das Zauber­stück belebt und wirkt so bis zum let­zten Satz frisch. Das Ensem­ble überzeugt, vor allem Nadine Zeintl als Ariel begeistert.

Ide­ale Bedin­gun­gen für einen guten The­at­er­abend. Wenn nicht das dem Som­merthe­ater eigene Pub­likum wäre.

Denn Teile dieses Pub­likums scheinen nur den Weg vor die Bühne gefun­den zu haben, weil es sich nun­mal so gehört. Abge­se­hen davon, dass „weil es sich so gehört“ immer ein schlechter Grund für irgen­dein Tun ist, macht der gute Ton in diesem Fall eine beson­ders ungeschickte Moti­va­tion, wenn man sich dann vor Ort ver­hält, als wäre dieses das allererste The­ater­stück, welches man je gese­hen hat. Jeder The­aterbe­sucher ist immer noch ein Glücks­fall, aber es wäre nett, wenn der The­aterbe­sucher für zweien­thalb Stun­den ein stum­mer Glücks­fall ist.

Sollte nun „Der Sturm“ wirk­lich jeman­dens erster The­aterbe­such sein, ein Tipp. Die grundle­gend­ste Regel des The­aterbe­suchs: Spätestens wenn Tritte gegen die Rück­en­lehne aus der Hin­ter­reihe mehrmals in der Minute kom­men, sollte man aufhören, jeden leicht humor­vollen Satz laut­stark zu wieder­holen und in Echtzeit zu kom­men­tieren. Wenn man diese ein­fache Faus­tregel befolgt, steht einem tollen Abend vor der Per­ch­tolds­dor­fer Burg nichts im Weg.

1 Kommentar

  1. Ich war schon lange nicht mehr im The­ater — habe aber schon oft Auf­führun­gen besucht. Ich habe auch Erfahrun­gen mit unpassenden Besuch­ern gemacht — warum kom­men die überhaupt?

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