"Ebenda", Bildrechte bei Katharina Braschel und Chili Tomasson.

Ebenda”, Bil­drechte bei Katha­rina Braschel und Chili Tomasson.

Schon eine Stunde vor Ein­lass in den Kinosaal war das Schikaneder in Wien voll, als gestern Abend das Filmde­büt von Katha­rina Braschel und Chili Tomas­son über die Lein­wand ging. Und zurecht.

Ebenda” setzt an, schein­bar den All­tag einer radikalen Grup­pierung von Träumern um die ominöse Cap­i­tana Élise auf ihrem Weg zu Ebenda, einem Kunst­wort und einer Art paradiesis­chen Frieden­szu­s­tand, zu zeigen. Mit Fortschre­iten des Films löst sich dieser All­tag jedoch in einer Reihe von Episo­den auf, bei denen die Gren­zen dieser Real­ität immer weiter aus­gedehnt wer­den. Man stellt die Ver­mu­tung an, dass man nun in einem von Cap­i­tana Élise ini­ti­ierten Kollek­tivträu­men angekom­men ist, dabei ver­schwim­men allerd­ings nicht nur die Gren­zen zwis­chen Traum und Real­ität, auch inner­halb des Traumes scheinen die einzel­nen Träumer ihre Ver­stecke gefun­den zu haben, zu denen sie uns nun für einen Moment Zugang gewähren. Dabei trifft man auf die ver­schieden­sten Tätigkeiten, denn deut­lich wird, alle Szenen zeigen unheim­lich aktive Men­schen, auch wenn sie in einer Bade­wanne liegend gezeigt werden.

Die bei­den Film­schaf­fenden haben einen Modus für ihren Film gefun­den, der die Träume ohne solchen Sequen­zen sonst oft anlas­ten­den Kitsch zeigt, unter­stützt von einem her­vor­ra­gen­den Sound­track wer­den die Episo­den recht nüchtern aber mit viel Acht aufs Detail gelebt. Dass der Film gän­zlich ohne gesproch­ene Dialoge auskommt, unter­stützt die Ver­wirk­lichung dieser Visio­nen noch zusät­zlich; in Träu­men muss man schließlich nicht reden, die Fig­uren wis­sen ohne­hin, was sie sich zu sagen haben. Und wenn ein Film 54 Minuten ohne Text auskommt ohne Län­gen zu zeigen oder unver­ständlich zu wer­den, spricht das auch Bände für ihn.

Erstaunlich ist die klare Bild­sprache: Ob nun in der Betra­ch­tung eines Kunst­werkes oder dem med­i­ta­tiven Umschüt­ten von Reis, der Film bringt es fer­tig, eine Ruhe auszus­trahlen, ohne jemals pas­siv zu wer­den. Das die Traum­col­lage von einem aus­drucksstarken Ensem­ble getra­gen wird, das den bei­den Köpfen von “Ebenda” und sich sichtlich ver­traut, macht es möglich neben dem Kollek­tivraum der Woh­nung, in der jeder Traum seine Ecke hat, einen zweiten Faden durchgängig durch den gesamten Film zu ziehen, was der Inter­pre­ta­tion der Einzel­szenen im Zusam­men­hang zugute kommt.

Allen, die sich beim Film­schauen gerne Gedanken machen, kann ich “Ebenda” wärm­stens empfehlen, es ist ein langsamer Film, der seine Struk­turen und Geheimnisse erst nach und nach Preis gibt, doch das gehört zu seinem Appeal. Die bei­den Ver­ant­wortlichen liefern auf jeden Fall ein starkes Debüt ab, dass sich abseits von Kurz­film­gen­renor­men bewegt und trotz­dem nicht zum unver­ständlichen Art­house­movie wird. Man darf ges­pannt auf mehr sein!

Wer “Ebenda” noch auf der großen Lein­wand sehen will, hat vor­erst noch am 30.10. die Chance, wenn der Film seine Salzburg-Première im dask­ino feiert. Anson­sten kann man ihn auf DVD erste­hen, ebenso wie den aus­geze­ich­neten Sound­track. Meiner Mei­n­ung nach wird sich die Investi­tion leis­ten, ich habe schon jetzt das Gefühl, noch neue Details am Weg nach Ebenda zu finden. Außer­dem findet sich in der DVD die dem Film zugrun­deliegende Kurzgeschichte, die dem Ganzen ein wenig Kon­text ver­leiht. Ich würde allerd­ings empfehlen diesen Text erst nach Anse­hen des Films zu lesen, so kann sich erst der richtige Aha-Effekt einstellen.

Ebenda-Facebookgruppe

Ebenda-Première in Salzburg, daskino

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