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Social Medium: Anmerkungen zur Protokollnatur late to the party// drucken

Ein­lei­t­ende Notiz: Der fol­gende Text hat als eine aktuelle Reak­tion auf die Mel­dun­gen über Cam­bridge Ana­lyt­ica begonnen, ist aber über die let­zten zwei Monate zu einer all­ge­meineren Bear­beitung von Grund­satzfra­gen zur Natur der sozialen Medien angewach­sen. Nun geht dieser Anwuchs hin ins All­ge­meine, so denke ich, halb­wegs kon­form mit einer Bewe­gung im weit­eren Diskurs. So hat schließlich die Debatte auch eine Befra­gung Mark Zucker­bergs im EU-Parlament her­vorge­bracht, auch die Exis­tenzberech­ti­gung der aktuellen Zustände wurde zunehmend in Frage gestellt. (Link: Facebook-Post von Michel Rei­mon, 22.5.2018) An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass ich wenig bis keine Ken­nt­nisse über die tech­nis­chen Aspekte auf Code-Ebene habe und sich der Text vor allem in einer kul­tur­the­o­retis­chen Per­spek­tive verortet sieht. Die weni­gen spez­i­fis­chen tech­nis­chen Forderun­gen, die for­muliert wer­den, soll­ten daher wohl eher als Wün­sche und Leer­stellen ver­standen wer­den.
Der Text ist mit Abstand der läng­ste, den ich auf diesem Blog postete und da sich 2000+ Worte, wie ich weiß, nicht beson­ders gut für das Blog-Format anlei­hen, sind hier Links zu den einzel­nen Abschnitten:

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In den let­zten Monaten, nach­dem zuerst die Machen­schaften von Cam­bridge Ana­lyt­ica und in der Folge weit­erge­hende Lecks in unserer sozialen Infra­struk­tur im Inter­net zutagege­trete­nen sind, wurde über­all (zurecht) über den Daten­schutz auf Face­book und all­ge­meiner den sozialen Medien gesprochen. Wie kon­nte es über­haupt dazu kom­men, dass diese Präferen­zen und Aktiv­itäten der User*innen abge­grif­fen wer­den kon­nten? Ist Face­book sim­pler­weise zu blöd, um unsere Daten sicherzustellen oder besteht auf einer Ebene oder der anderen eine Kom­plizen­schaft? Und: Warum hat Face­book diese Daten über­haupt? Das waren die wichti­gen Fra­gen, die wir uns stell­ten und allerorts durchexerzierten.

Das Daten­schutzprob­lem ist ein sekundäres

Diese Fra­gen sind wichtige Fra­gen. Was sie nicht sind, ist neu. Cam­bridge Ana­lyt­ica ist nur der aktuell­ste und deswe­gen ver­mut­lich der sicht­barste Auswuchs eines konzeptuellen Prob­lems der social media. Daten­schutz ist nicht dieses Prob­lem, wie ich glaube. Natür­lich ist der man­gel­nde Daten­schutz ein akutes Prob­lem (mit dem sich nicht umsonst die EU ger­ade aus­giebig befasst), doch es ist hier nicht das primäre Prob­lem. Die Notwendigkeit eines starken Daten­schutzes ent­ge­gen wirtschaftlichem wie poli­tis­chem Miss­brauch erwächst schließlich aus dem, wie es scheint, immer größer wer­den­den Daten­hunger seit­ens der Betreiben­den sozialer Net­zw­erke – wenn Face­book und Twit­ter keine Daten besitzen wür­den, müssten diese unsere Daten auf ihrer Seite auch nicht geschützt wer­den. Nun ist der Habi­tus des Daten­sam­melns ein sehr zen­traler Fak­tor im Funk­tion­ieren dieser sozialer Net­zw­erke, wie man so oft liest, wenn man die Prob­lematik anspricht: Social media würde nur durch das Zurver­fü­gung­stellen und die Abgabe von end­losen Men­gen an Daten an Betreibende funk­tion­ieren, deshalb solle man sich lieber ganz aus diesen social media her­aus­nehmen. So lautet die tech­nolo­giepes­simistis­che Kon­se­quenz, die schein­bar logisch aus den Lecks zu ziehen wäre. Nun bin ich nicht allzu tech­nolo­giepes­simisch ges­timmt und sehe die vie­len Vorteile, die uns die sozialen Medien auf einer kul­turellen Ebene brin­gen und vor allem noch brin­gen kön­nen, min­destens en par mit den neg­a­tiven Effek­ten. Grund­sät­zlich ver­suche ich, mich hier mehr an Poten­tialen als an Kon­se­quen­zen zu ori­en­tieren. Und dieser Hal­tung fol­gend, halte ich auch die Aus­sage, welcher die Posi­tion des exits zugrunde liegt, in ihrem Kern für falsch. Das Date­nan­häufen und in der Folge das Daten­nutzen ist nicht notwendig für das Funk­tion­ieren sozialer Net­zw­erke im Inter­net, son­dern für soziale Plat­tfor­men. Die Dif­ferenz in Vok­a­beln sollte gle­ich deut­lich wer­den. Diese Plat­tfor­men, beziehungsweise deren Betreibende, sehen die gesam­melten Daten als ihr Kap­i­tal an und sie sind der Haupt­grund, warum Fir­men (nicht Dien­ste) wie Face­book und Twit­ter über­haupt wirtschaftlich posi­tion­ier­bar sind. Die sozialen Net­zw­erke oder Medien allerd­ings, die auf diesen Plat­tfor­men per­formt wer­den, benöti­gen und haben kein Kap­i­tal. Hier liegt der Knack­punkt des primären Prob­lems und es ist – wie so oft – ein Prob­lem der Wahrnehmung: Wir nehmen die Plat­tform Face­book als Net­zw­erk wahr. Dadurch set­zen wir die Plat­tform und in der Folge die Firma Face­book, die für die Entwick­lung und seit­dem für den Betrieb des Codes zuständig war, mit dem sozialen Medium, welches durch die Plat­tform Face­book pro­duziert wird, gle­ich. Daraus resul­tiert eine Wahrnehmung der social media-Landschaft, die unheim­lich verkürzt ist. In dieser Land­schaft gibt es das Medium Face­book, das Medium Twit­ter, das Medium Google+ etc., so wie in der Zeitungs­land­schaft zahlre­iche Medien existieren. Face­book ist aber keine Zeitung, son­dern vielmehr die Idee einer Zeitung. Twit­ter ist kein per­son­al­isierter Dorf­schreier mit außergewöhn­licher Reich­weite, son­dern das Konzept des Dorf­schreiers. Die sozalen Medien sind nicht Teil einer großen Land­schaft, sie sind selbst jew­eils eine ganze Land­schaft. Die meis­ten Prob­leme, welche beobachtet und beschrieben wer­den, resul­tieren aus dem Land­schafts­gärt­ner, der sich zum Platzhirsch erk­lärt hat. Die aktuelle Sit­u­a­tion der social media wäre ver­gle­ich­bar damit, dass eine Firma das Patent auf „die Zeitung“ hat und alle Medien, sei es die New York Times, die Zeit oder der Stan­dard ihre Aus­gaben bei dieser Firma drucken lassen und dazu noch über ihre Kanäle zu ihren Kon­di­tio­nen ver­bre­iten lassen müssen. Denn das Prob­lem ist: Solange wir social media als Firma, die eine Plat­tform entwick­elt und betreibt, denken, denken wir das Ziel des Prof­its als logis­che Kon­se­quenz daraus mit. Und eine solche Firma wird nie Kon­trolle über Größen wie Nutzer­daten abgeben, weil aus der Kon­trolle über diese Daten ihre Gewin­n­fähigkeit erwächst, da sie der einzige verkauf­bare Wert sind, welcher von solchen Fir­men pro­duziert wird. Wenn man jetzt mal eine der erfol­gre­ich­sten For­men und Errun­gen­schaften der dig­i­talen Rev­o­lu­tion ansieht, hat man ein pos­i­tives Beispiel an der Hand, mit­tels welchem die Ver­fehlung der sozialen Medien ekla­tant sicht­bar wird  und auch mögliche Zukun­ften aufzuzeigen sind. Und ja, die Errun­gen­schaft, die ich meine, ist Email. Denn auch im Jahr 2018 schreiben wir alle immer noch zumin­d­est fast täglich Emails, es ist ein­fach, es ist zweck­mäßig und ubiq­ui­tös wan­del­bar und einsetzbar.

Email als Vorbild

Und: Email ist ein Pro­tokoll, das als eine grundle­gende Funk­tion ins Inter­net einge­gan­gen ist. Email gehört nie­man­dem, auch die Erfinder*innen von Email und diversen Vorgänger­pro­tokollen kön­nten Email nicht abschal­ten, wenn sie es woll­ten. Das Email­pro­tokoll ist eine Grun­drech­nungsart des Inter­nets. Und deswe­gen funk­tion­iert Email, wie es funk­tion­iert. Weil in der Entwick­lungsphase ver­mut­lich niemals auch nur zur Debatte ges­tanden ist, dass das Kom­mu­nika­tion­s­mit­tel Email prof­ita­bel wer­den soll. (Dass einzelne Email-Hosts – also in der vorigen Meta­pher die Zeitungs­bu­den – durch Wer­bung etc. ver­suchen, mit Email Profit zu machen, ist auch klar, ändert aber meiner Mei­n­ung nach per se nichts am Konzept.) Und ger­ade aus einer solchen in der Entwick­lung immer schon mitgedachten Ziel­gerichteth­eit wach­sen meines Eracht­ens die Prob­leme. Eine umfassende Wirtschafts– und Star­tup­kri­tik sei hier mitgedacht und bei Bedarf ein­fach selbst for­muliert. Was brauchen wir also für soziale Netze, wenn wir nicht gän­zlich aussteigen wollen (und als Kollek­tiv wohl auch nicht mehr kön­nen), son­dern die gesellschaftlichen Errun­gen­schaften und Kom­mu­nika­tion­stech­niken, die social media mit sich gebracht haben pro­duk­tiv und sin­nvoll nutzen, aber uns der Prob­lematik nicht aus­liefern wollen? Hier komme ich zum eigentlichen Punkt: Es ist meine Überzeu­gung, dass wir die Daten­schutzkrise nicht langfristig dadurch lösen kön­nen, immer sicherere Tech­nik zur Fest­stel­lung unserer Daten einzustellen, son­dern nur dadurch, dass wir das Inter­esse an unseren Daten aus der Gle­ichung her­ausstre­ichen. Eine inter­es­sante Per­spek­tive bietet hierzu das FAZ-Interview mit Lorena Jaume-Palasí von Algo­rithm Watch  (Link). Sie sagt sin­ngemäß, dass es nicht zielführend ist, tech­nis­che Entwick­lung zu reg­ulieren, weil diese ja per def­i­n­i­tionem der jew­eili­gen reg­ulierten Sit­u­a­tion entläuft, es aber nötig ist, den Men­schen, die diese Tech­nik entwick­eln und ein­set­zen, eine neue funk­tions­fähige Ethik zur Hand zu geben. In dieselbe Kerbe scheint mir ihr Text über analoge gesellschaftliche Entwick­lun­gen beim Aufkom­men des Autos (Link) zu schla­gen. Die sozialen Medien sind nicht grun­dauf ein Werkzeug des Bösen, im Gegen­teil sind sie beziehungsweise ihre Mech­a­nis­men ein entschei­den­des Mit­tel, um in unserer Welt, die von uns eine immer schneller wer­dende Reak­tions­freudigkeit erwartet, einen zivilen Diskurs und damit demokratis­che Grund­struk­turen aufrechtzuer­hal­ten. (Dass diese Mech­a­nis­men und diese demokratis­chen Grund­struk­turen miss­braucht und dadurch zu einem anti­demokratis­chen Alphorn gemacht wer­den kön­nen, ist nicht neu und sagt meines Eracht­ens nichts so sehr über die Qual­ität dieser Mit­tel aus, als dass sie inhärent fragil sind. [Dass Demokratie möglicher­weise sogar fragil sein muss, um demokratis­ches Per­for­men zu ermöglichen, ist ein anderer Text.])

Daten=Profit?

Wie lässt sich dieses schein­bar so essen­tielle, weil ver­mark­t­bare Inter­esse am Daten­sam­meln aus der Gle­ichung stre­ichen? Die Math­e­matik lehrt uns, dass man dazu ein Äquiv­a­lent auf der anderen Seite stre­icht. Dieses Äquiv­a­lent ist der Profit oder vielmehr der Wun­sch nach und der Zwang zum Profit. Denn solange das soziale Medium das Ergeb­nis nicht nur einer Forschung– und Entwick­lungsphase ist, son­dern über diese hin­aus zu einem Pro­dukt einer um es herum aufge­bauten Firma/eines Konz­erns ist, ist es mit dem Ziel, prof­ita­bel zu sein, ver­bun­den. Dieses Ziel, prof­ita­bel zu sein, ist schlussendlich in der derzeit­i­gen Kon­struk­tion auch ein ver­ständliches, wird das Net­zw­erk doch als Pro­dukt ange­se­hen, in dessen Entwick­lung investiert wird und das sich nach der „Fer­tig­stel­lung“ ren­tieren soll. Ähn­liche Phänomene sind bei der Bahn oder der Post, grund­sät­zlich allen Infrastruktur-Unternehmungen, zu beobachten. All diese Fälle haben es auch gemein, dass der Vek­tor Profit der voll­ständi­gen Funk­tions­fähigkeit der Infra­struk­tur hin­der­lich ist. Sin­nvoll wäre daher, ein neues Ziel auszuschreiben, näm­lich das der Verbesserung der Infra­struk­tur und damit des öffentlichen Diskurses. Durch solche Hauptziele wäre eine weit­ge­hende Befreiung des sozialen Medi­ums aus den engen Fän­gen der prof­it­ges­teuerten Daten­sucht möglich, auch dadurch, dass kein Unternehmen, welches Daten anhäufen kön­nte, mehr beste­hen würde. Wenn wir das soziale Medium ern­sthaft in den öffentlichen Diskurs, den es längst besetzt und den es im Mar­ket­ing­sprech als Haupt­mo­ti­va­tion angibt, ein­binden wollen, braucht es eine neue Struk­tur, ange­fan­gen in der Entwick­lung. So wäre es doch denkbar, diese gewün­schte Inno­va­tion durch öffentlich finanzierte Pro­jekte zu betreiben und, nach Abschluss der primären Entwick­lung – und das scheint mir essen­tiell – die Kon­trolle und Aufrechter­hal­tung dem öffentlichen Kollek­tiv zu übergeben. Kurzum: Das soziale Medium soll zu einem Pro­tokoll wer­den. Nur so kann es eine uni­verselle Funk­tion des Inter­nets wie einst die Email wer­den. Diese Pro­tokoll­w­er­dung oder Ver­pro­tokol­lierung ist den sozialen Medien, die heute vorherrschend sind, struk­turell nicht unbe­d­ingt eingeschrieben, waren sie doch von ihrer früh­esten Entwick­lung mit dem Gedanken, poten­tiell prof­ita­bel zu sein, durchtränkt. Sie kön­nen daher nicht akut umgeschrieben wer­den, wir ste­hen vor der schein­baren Wahl, entweder neue Dien­ste zu entwick­eln, denen das Prinzip des Pro­tokolls im Kern steckt, oder langsame, aber stetige Umfor­mung der vorhan­de­nen Struk­turen zu ini­ti­ieren. Inter­es­sant wird dabei auch sein, in welchem Aus­maß beste­hende Teilap­pa­rate in neue Struk­turen mit­ge­tra­gen wer­den kön­nen, was einer höheren Kon­ver­sion­srate sicher­lich zuträglich wäre.

dias­pora* als Vor­bild: User-Plattform-Verhältnis als Kernfrage

Inter­es­sante Schritte in diese Rich­tung machte beispiel­sweise schon die als open source-Alternative zu Face­book ange­tretene Plat­tform dias­pora*, welche in ihren Funk­tion­sweisen ähn­lich wie Face­book oder noch mehr wie das stark von dias­pora* inspiri­erte Google+ angelegt ist, das Daten­schutz– bzw. Daten­sucht­prob­lem dadurch angeht, dass nie­mand alle Daten sam­meln kann, da nie­man­dem die gesamte Infra­struk­tur gehört. Gelöst wird dies durch eine Vielzahl von unab­hängi­gen Instanzen der diaspora*-Struktur, jede*r Teil­nehmende, jedes Mit­glied ist ein poten­tieller host des plat­tfor­maus­führen­den Codes. Damit erin­nert es an nichts so sehr wie an frühe MMORPGs oder IRC-Channels: Die Nutzer*innen der Plat­tform stellen die Server­struk­tur, die sie benutzen, her. Hier­aus zeich­net sich neben dem Haup­tan­liegen des Daten­schutzes, welches über eine neu verteilte Daten­ho­heit geregelt wird, ein neues Ver­ständ­nis der User-Plattform-Beziehung ab. Die Nutzer*innen sind die Plat­tform und das Medium. Diese Beziehung ist nun nicht neu, keine der mark­t­führen­den Plat­tfor­men wäre in irgen­deiner Weise funk­tions­fähig ohne ihre Nutzer*innen und doch scheint es eine neuar­tige Gewich­tung und Wertschätzung zu sein, haben doch die prof­i­to­ri­en­tierten Unternehmen dieses Ver­hält­nis tun­lichst zu mask­ieren gesucht. Dabei haben sie eine nominelle Umfor­mung einge­setzt: Der Fokus liegt zeit­genös­sisch insofern nicht auf der hand­lungsnotwendi­gen struk­turellen wie inhaltlichen Tätigkeit der Nutzer*innen, als dass sie Arbeit leis­ten und durch diese Arbeit die Infra­struk­tur aufrechter­hal­ten, son­dern auf ihrer Exis­tenz als Asset. Durch diesen sim­plen Per­spek­tiven­wech­sel machen die Plat­tform­be­treiben­den ihre Nutzer*innen aus hand­lungs­fähi­gen und in ihrer Posi­tion mit sig­nifikan­ter Macht betrauten Akteuren selbst zu Inhal­ten. Die einzel­nen Stim­men auf der Plat­tform wer­den so im Diskurs mehr und mehr als Con­tent wahrgenom­men und Con­tent kann ohne gröbere moralis­che Schwierigkeiten besessen wer­den. Mit dias­pora* scheint der Ver­such ges­tartet wor­den zu sein, den Nutzen­den ihre Posi­tion als Agierende wieder deut­lich vor Augen zu führen. Damit ist dias­pora* nicht nur als poten­tielle Alter­na­tive wichtig, son­dern als kul­turelles Agens im gesamten social media-Bereich. Wenn die Dis­per­sion der Server­struk­turen ein näch­ster wichtiger Schritt, vor allem für jene Plat­tfor­men des Typus Face­book, ist, so soll­ten sich vielle­icht jene Dien­ste, welche auf einem wesentlich kur­zlebigeren turn­around basieren, wie es beispiel­sweise an promi­nen­ter Stelle Twit­ter tut, die schon vielfach ins Spiel gewor­fene Protokoll-Natur von Email wirk­lich explizit als Vor­bild nehmen. Die größte Hürde für eine flächen­deck­ende Entwick­lung in diese Rich­tung neben dem weit­er­greifenden kul­turellen Duk­tus und Profit als einziges anerkan­ntes Zeichen des Erfolgs, stellt die Finanzierungslage struk­tureller Entwick­lung dar: Wer selbst große Resourcen in die Entwick­lung eines neuen social media-Dienstes investiert, gibt natür­lich nicht gerne nach Abschluss dieser Entwick­lung die Zügel aus der Hand, es besteht hierin eine sim­ple und doch tief­greifende quid pro quo-Wahrnehmung. Um das neue social medium also als gesellschaftlich ori­en­tierte Mech­a­nis­men sicherzustellen, muss deren Entwick­lung von der Gesellschaft finanziell wie struk­turell getra­gen wer­den. Nur, indem die Entwick­lung kein Ver­aus­gaben mehr darstellen muss, wer­den wir einen Stand erre­ichen kön­nen, indem der Profit des Betriebs nicht mehr als ver­di­ente Beloh­nung bzw. über­haupt erst als Ziel des Pro­jekts ange­se­hen wird.

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