Zwei Men­schen sitzen an einem Gar­ten­tisch vor der gel­ben Stuck­fas­sade eines alten Her­ren­hauses. K., Ende zwanzig, trinkt Min­er­al­wasser mit einer einzel­nen Zitro­nen­scheibe. Z., Jahrgang 1935, trinkt Kaf­fee, schwarz, Milch in einem Achtel­glas neben­bei. Auf der anderen Straßen­seite sam­meln sich einige Jugendliche in gle­ich­för­mi­gen, sil­ber­nen Plastikanzügen.

Z: Siehst du die? Was die wohl tun hier?

K: Wen? Ach, die, die wer­den wohl agi­tieren. ... Schweinehunde.

Wirk­lich eine Gemein­heit das.

Die Jugendlichen holen Spray­dosen aus einer Sport­tasche und begin­nen, Men­schen­ver­ach­t­en­des an die Wand zu schreiben.

Sind dort. Hof­fentlich bleiben sie ... Hey! Lasst das. Hof­fentlich dort.

Fast wie damals. Heute Wände, damals eben Aus­la­gen­scheiben. Und ich mit­ten­drin­nen, sag ich dir ... Schweinehunde.

Sag, Opa, wie war das? Fan­d­est du das gut damals? Vom Jetzt ganz unab­hängig, natürlich.

Scweine­hunde, alle! Und ich mit­ten­drin. ... Hey! Lasst das doch.

Du mit­ten­drin. Wieso dann nicht woan­ders, Opa?

War erfordert. Weißt du doch. Kon­nte ja nicht. ... Weil Zukunft. Da Jetzt.

Das ist wirk­lich schwach, Opa. So gegen das eigene Besser­wis­sen ... Was schreiben die  eigentlich, die Agi­tieren­den? ... Hey! Lasst das doch bitte endlich! ... Schweine­hunde, schreiben dort Menschenverachtendes.

Die Agi­tieren­den haben ihre Wand gän­zlich in Farbe getaucht, sodass durch die Fülle der Schrift das Men­schen­ver­ach­t­ende im Ganzen aufgeht und schwer erken­ntlich, für den zufäl­li­gen Pas­san­ten nicht mehr sicht­bar sind und nur eine schwache Prä­gung auf der Ober­fläche mancher Gedanken hin­ter­lassen. Sie, die Agi­tieren­den, bemerken jetzt die bei­den auf der anderen Straßen­seite und kom­men, um auch die gelbe Stuck­fas­sade des Her­ren­hauses zu beschreiben.

Jetzt kom­men sie her, wunderbar.

Die Agi­tieren­den sprühen unbeein­druckt durch diese wenig aggres­sive Unmuts­bekun­dung Men­schen­ver­ach­t­en­des auf die gelbe Fassade.

Das ist wirk­lich. ... Schweinehunde.

Willst du sie nicht abhal­ten, irgend­wie? ... Hey!

Kann doch nicht. Lass sie tun ... Solange sie nur agitieren.

Hast du auch wieder recht, jaja. Wie damals.

Ist schon schlimm. Mit­ten­drin, wir hier. Scheiße. ... Wir Scheiße, scheiße, scheiße.

Innen­drin ganz. Vielle­icht soll­ten wir doch.-

Die Agi­tieren­den kom­men an den Tisch, schauen die bei­den an und begin­nen, als K. den Kopf nur undeut­lich in diverse Rich­tun­gen bewegt, Men­schen­ver­ach­t­en­des auf seinen Kör­per zu schreiben. Der muss sich winden, um noch sprechen zu kön­nen, ohne Lack­spray zu schlucken. Die Augen hält er geschlossen.

Viel zu sehr innen. Schweine­hunde. Wir haben keine Zeit. Etwas grüné Farbe berührt seine Zunge und seine Mund­höhle. Hey!

Komm eben auf meine Seite! Von hier aus kannst du dich.-

Kann doch nicht.

Die Agi­tieren­den packen ihre Spray­dosen in die Sport­tasche und nehmen K. auf ihre Schul­tern. Dann tra­gen sie ihn, auf­grund seines, von ihnen unter­schätzten, Gewichts langsam, weg. Die Sport­tasche bleibt auf dem Ses­sel zurück.

Kann doch nicht. Weil Zukunft!

...

Wie damals. Heute Wände, damals dann Schaufen­ster. Weil Zukunft. Zer­brechen mittendrin.

Z. stellt seinen Kaf­fee, schwarz, auf die Unter­tasse am Tisch. Dann leert er die Milch in die Tasse und schwappt den Rest aus. Dann die Zitro­nen­scheibe des Opfers Kol­lab­o­ra­teurs.


 

Dies ist mein erster Text zu Dominik Leit­ners .txt-Projekt. Das entschei­dende Wort lautete “Grat­wan­derung”.

 

 

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