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Der große Lehrer – Über Robin Williams archiv// Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Hook war der erste Film, den ich ohne Diskussion mit meinem Bruder anschauen konnte, da wir ihn beide gleichsam großartig fanden, was auch nachher nur noch selten der Fall war, und als die VHS-Kassette ob der Dauerbelastung das letzte Uhrticken im Magen des Krokodils von sich gegeben hatte, waren wir sehr begtrübt und in der Folge lange nicht mehr so friedlich beim Auswahlprozess für das gemeinsame Heimino.

Der große Peter Pan meiner Kindheit blieb dann längere Zeit die einzige Rolle, in der ich Robin Williams wahrnahm, Jumanji sah ich zwar, konnte ich aber erst viel später wertschätzen. So blieb er in meinen Gednken lange gebucht auf lustige Kindheitshelden. Erst als wir im Englischunterricht, ich war wohl fünfzehn oder sechzehn, Dead Poet Society zu sehen bekamen, eröffnete sich mir eine ganz neue Welt, eine Welt mit Robin Williams als kongenialen Charakterdarsteller und Mentor in ihr. Es muss nicht gesagt werden, wie begeistert ich war, aber sein Unterricht war neben dem meiner Deutschprofessorin wohl entscheidend für meine eigene Beschäftigung mit Literatur und in weiterer Folge meiner Entscheidung selbst schreiben zu wollen. Bis heute wünsche ich mich in eine literarische Geheimgesellschaft.

Seine Position als liebevoller, aber bestimmter Mentor einer ganzen Generation festigte er für mich weiter in Good Will Hunting, eine Rolle, für die wohl mehr als den einen Oscar verdient hätte. Ob aus seinem einzigartigem Humor oder aus seiner ernsthaftigen Gütigkeit, die er jedem einzelnen seiner Charaktere verlieh, ich lernte überall unglaublich viel von ihm. Vor allem zeigte er, dass Komik nicht ohne Menschlichkeit, Ernsthaftigkeit aber auch nicht ohne manchen Witz auskommen kann. Diese Mehrgestaltigkeit der Existenz hat es leider auch in seinem eigenen Leben außerhalb jeder Rollle gegeben, wie sich jetzt auf schrecklicher Weise offenbarte. Es ist unendlich traurig, dass er, der so vielen Charakteren und durch sie tausende Zuschauer tröstend die Hand auf die Schulter legte und ihnen Auswege aus der Dunkelheit wies, für sich selbst nur diesen einen, endgültigen fand.

Es bleibt nur, seine Botschaften weiterzutragen und sein Andenken hochzuhalten, auf dass er uns weiterhin Lehrer und Mentor sein möge. Seine Lieblingsfilme wieder auszupacken, kann da nur ein Anfang sein.

Um meinen kurzen Text zu beenden, wie heute alle Texte enden sollten:

Oh captain, my captain, wir vermissen dich schon jetzt.

(c) Matthias Kreitner// RSS//
(when in doubt, scroll.)
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