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Nie mehr Tannenbäume archiv// Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Wir stehen in einer Badewanne. Diese Badewanne bahnt sich ihren Weg durch einen Ozean aus verbrannten Tannenzapfen. Irgendetwas ist falsch gelaufen.

Als wir zuerst hier ankamen, waren wir nicht nur allein, sondern alles ganz anders. Wir als Kollektiv tendieren dazu, sowohl Gesellschaft, als auch Veränderung ablehnend gegenüberzustehen, wie ärgerlich.

Unser Strand ist nun eine Badewanne und das Gestirn, welches wir ins Meer geworfen haben, musste wohl, als wir gerade mit uns selbst beschäftigt waren, die gesamten Weltwasserreserven verdampft und die – uns in ihrer Existenz zuvor nicht bekannten – Tannenzapfen zur Gänze verschmort haben.

Wir stehen in einer Badewanne und um uns herum stehen sie in Abertausenden identen Badewannen, scheinbar ohne vom Fleck zu kommen, was wohl auf die vorherrschende Flaute zurückzuführen ist, wir wir glauben, wobei der in unserer Nachbarsbadewanne Stehende uns beipflichtet. Er befindet sich in Rufweite, wie etwa vierunddreißig weitere in Badewannen stehende Personengefüge.

Das Ende ist also ein ewiges, digitales Badewannenstehen oder das Versinken im Tannensamenruß. Zu entscheiden, was schlimmer ist, überlassen wir uns Übergeordneten, wir als Kollektiv wollen nur das Rennen gewinnen, damit das Ende vorbei und wir wieder allein sind. Doch bewegt sich hier seit dem Ende wegen der großen Flaute – wie die Windstille mittlerweile in den meisten Badewannen in unserer näheren Umgebung genannt wird – nichts mehr, wie wir schon gesagt haben. Ein Weg wäre – denken wir uns – von unserer Badewanne zur nächsten und so weiter zu springen. Doch das trauen wir uns als Kollektiv nicht zu und außerdem haben wir einige logische Einwände dagegen, die lauten, wie folgt:

Erstens: Wir wissen nicht, wo das Ziel unseres Rennens ist. Daher können wir nicht beginnen, daran teilzunehmen. Aktiv. Sollten wir schließlich in die falsche Richtung springen, würde das,

zweitens: den uns umstehenden Badewannenbestehenden auffallen und jenen, die womöglich die Position des Zieles kennen, oder aber rein zufällig in dessen Nähe verortet sind, was wir nicht außer Acht lassen dürfen, allerdings keine Methode zur Fortbewegung sehen, den letzten Stein in ihrem Puzzle auf einem – gelindegesagt – goldenem Tablett servieren.

Und drittens: wollen wir unsere Badewanne nicht verlassen. Wir können uns nicht vorstellen, uns nach dem Ende an einem anderen Ort als unserem wiederzufinden.

Also bleibt uns für diese Ewigkeit nur, in einer Badewanne inmitten verbrannter Tannenzapfen zu stehen und auf Wind zu warten.

Nie mehr Tannenbäume.

 

 

Dieser Text ist meine Reaktion auf Gedanken zu Terry Gilliams Film „The Zero Theorem“.

(c) Matthias Kreitner// RSS//
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