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Überläufe. Rezension einer Austellung. Tracey Emin im Leopoldmuseum. archiv// Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Vor knapp zwei Wochen war ich am Eröffnungstag in der (jetzt nicht mehr so) neuen Tracey Emin-Ausstellung im Leopoldmuseum. Ich kannte Emin vorher nicht und las nur durch Zufall an diesem Morgen eine Pressemittelung des Museums gelesen.Den Ansatz, moderne Werke reflexiv Schiele-Blättern gegenüberzustellen, fand ich interessant, also machte ich mich auf.

Im Museumsquartier angekommen, war ich ob der frühen Stunde noch weitgehend allein, nur ein paar Fotographen vom Haus machten Aufnahmen. Der viele Raum war Goldes wert. So konnten die Werke der britischen Künstlerin wirken, die Kellerräume des Leopoldmuseums lassen in ihrer Schlichtheit ein Begegnen der Bilder Emins miteinander, mit den oft an die gegenüberliegende Wand gehängten Zeichnungen Schieles, aber auch mit den Betrachtenden zu. So ist die Ausstellung nicht nur eine bloße Gegenüberstellung einer durchaus etablierten Künstlerin mit den Werken eines ihrer Vorbilder, sondern wird viel mehr zu einer Korrespondenz und Kodependenz, die sehr lose Hängung mit manchmal nur einem Blatt an der Wand eröffnet Räume zur Neuinterpretation, in denen so manches Mal die Emin im Schiele aufblitzt und nicht umgekehrt.

Diesen Dialog unterstützen auch die von ihr gewählten Medien. So erscheint die Zeichnung auf Papier d’accord mit Schiele als Basis, von da weg entwickelt die Künstlerin im Gleichschritt mit ihrer Motivik auch ihr Medium weiter, was auch Stickereien, Videomontagen und sogar eine Tonaufnahme (was laut dem Katalog ein Debut für die Künstlerin ist) hervorbringt. Entscheidend und scheinbar über dem Geschehen im Austellungsraum, den Raum thematisch ordnend, sind die Neonschriftzüge.

Allen, die die Ausstellung noch besuchen wollen, rate ich, einmal im Raum, in welchem die Tonaufnahme läuft, für ein paar Minuten sitzen zu bleiben. Es ist sehr spannend, zu beobachten, wie sich hier durch das Medium der gesprochenen Sprache die Ideen Tracey Emins, welche nicht nur im Katalog, sondern auch an den Wänden in Form von Zitaten zu lesen sind, manifestieren. Es lohnt sich auch Stift und Papier mitzunehmen, es skizziert sich dort wunderbar.

(c) Matthias Kreitner// RSS//
(when in doubt, scroll.)
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