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Vermeintlicher Verrat an den promethischen Menschen archiv// Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Eines Tages war er weg. Natürlich hatte er nicht gesagt, dass er bleiben würde, aber nach all den Feiern und Festreden war er geblieben für den bloßen Alltag, also war er irgendwie einer von uns geworden, allmählich. Oder nicht.

Er hatte es gebracht und alles war schnell geworden in uns, um ihn herum. Er war in das Gästezimmer des Hauses gezogen und hat aus dem Fenster auf den Garten geschaut, viele Stunden. Dann, im Frühling hat er unsere Arbeiten im Garten von dort aus kommentiert, aber das war das Unsere, da waren wir die Weiteren, er konnte uns in dieser einen Sache nichts zeigen. Was ihn traurig machte, auch wenn er es nie zeigte. Immer hatte er ein stolzes Gesicht hervorgekehrt, wir waren doch die Seinen geworden. Vielleicht war er deswegen gegangen. Weil wir etwas wussten, was nicht er uns gegeben hatte. Wer wir nicht nur die Seinen waren, vielleicht.

Wenn die Tage kürzer wurden, wurde er immer höheren Mutes, da war sein Lachen ein echtes. Besonders an den stürmischen Abenden ging es ihm gut. Wenn wir uns in einem der großen Zimmern zusammensetzen um den Kamin, schien er wieder von sich überzeugt.

Waren diese Stunden nicht genug? Anfangs waren sie es sicher, aber Zeit macht unempflindlich gegen das Glück. Was irgendwann einmal vielleicht genug war, reicht später nicht, darum. Und jetzt war er weg, deswegen wohl, er hatte sich zu sehr an unsere guten Momente gewöhnt, war immun geworden gegen guten Willen. Wir hatten keinen Effekt mehr, nicht auf ihn und – der Schnelle, mit der die Reaktion auf sein Nichtmehrdasein in Gleichgültigkeit unterging – nicht auf uns. Es war Betrug an uns promethischen Menschen, dass er nicht mehr da war, soviel war sicher. Aber wer uns betrog, dessen waren wir uns nicht mehr klar.

(c) Matthias Kreitner// RSS//
(when in doubt, scroll.)
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